KI und digitale Barrierefreiheit: BITV mit KI erfüllen, und ein KI-Assistent, der selbst barrierefrei ist
Kurz gesagt
Die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung verpflichtet Behörden des Bundes, und über die Landesgesetze auch Kommunen, zu WCAG 2.1 Stufe AA für Websites, Apps und Dokumente, mit einer öffentlichen Erklärung zur Barrierefreiheit. Viele erfüllen das nicht, vor allem wegen der Berge an PDFs und zu schwerer Sprache. KI kann Alternativtexte vorschlagen, Dokumente strukturieren und Texte in Einfache Sprache übertragen. Zugleich muss ein KI-Assistent auf der Website dieselben Anforderungen selbst erfüllen: bedienbar mit Tastatur und Screenreader, mit einer menschlichen Alternative.
Die Verpflichtung
Grundlage ist die EU-Richtlinie 2016/2102, in Deutschland umgesetzt durch das Behindertengleichstellungsgesetz und die BITV 2.0 für den Bund sowie die Landesgesetze für Länder und Kommunen. Die Norm ist EN 301 549, die auf WCAG 2.1 Stufe A und AA verweist. Jede Behörde veröffentlicht eine Erklärung zur Barrierefreiheit; die Überwachungsstellen prüfen stichprobenartig. Dokumente, die über die Website angeboten werden, fallen darunter, und dort bleiben die meisten Kommunen hängen: tausende PDFs von Ratsunterlagen, Bescheiden und Formularen.
Wo KI hilft
| Anforderung | Was KI tut | Was die Redaktion tut |
|---|---|---|
| Alternativtexte | Beschreibt Bilder, Karten und Diagramme als Vorschlag | Prüft, ob die Beschreibung die Funktion des Bildes wiedergibt |
| Dokumentstruktur | Erkennt Überschriften, Listen und Tabellen in einer flachen PDF und baut die Struktur auf | Prüft die Lesereihenfolge |
| Einfache Sprache | Überträgt Texte in Einfache Sprache und bereitet Leichte Sprache vor, ohne den rechtlichen Inhalt zu verlieren | Prüft, ob die Bedeutung gleich geblieben ist; Leichte Sprache wird mit der Zielgruppe geprüft |
| Untertitel | Transkribiert Ratssitzungen und Videos | Korrigiert Namen und Fachbegriffe |
| Formulare | Schlägt klare Beschriftungen, Fehlermeldungen und Hinweise vor | Testet mit Nutzerinnen und Nutzern |
Siehe Verständliche Schreiben mit KI für die Arbeitsweise beim Umschreiben und Mit KI übersetzen für mehrsprachige Bürgerinnen und Bürger für die andere Seite der Erreichbarkeit.
Ein KI-Assistent, der selbst barrierefrei ist
Ein Chatfenster auf der Website der Kommune ist selbst eine Webanwendung und fällt unter dieselbe Norm. In der Praxis scheitert es oft an:
- Tastatur. Das Fenster muss ohne Maus vollständig zu öffnen, zu bedienen und zu schließen sein, mit sichtbarem Fokus.
- Screenreader. Neue Antworten müssen angekündigt werden; ein Screenreader, der von einer Antwort nichts bemerkt, ist eine geschlossene Tür.
- Kontrast und Schriftgröße. Auch im Chatfenster, auch bei 200 Prozent Zoom.
- Eine Alternative. Wer den Assistenten nicht nutzen kann oder will, muss dieselbe Information auf anderem Weg bekommen: Telefon, Schalter, E-Mail. Siehe KI im Bürgerkontakt.
- Verständliche Antworten. Eine Antwort auf Amtsdeutsch-Niveau ist nicht barrierefrei, auch wenn sie technisch jedes Kriterium erfüllt.
Wie werqly dazu passt
Ratsunterlagen, Bescheide und Formulare enthalten personenbezogene Daten; sie in einem öffentlichen Werkzeug zu strukturieren ist keine Option. Mit werqly laufen Strukturierung und Umschreibung auf einem eigenen Node, mit dem Redaktionsleitfaden der Kommune als Quelle und einem Protokoll der Änderungen. Die Oberfläche des Assistenten ist mit Tastatur und Screenreader bedienbar. Siehe KI für Kommunen.
Häufige Fragen
Fragen zu diesem Thema
Darf KI Alternativtexte schreiben?
Als Vorschlag ja. Der Alternativtext muss die Funktion des Bildes im Kontext wiedergeben, und das kann ein Modell nicht immer erkennen. Eine Redakteurin oder ein Redakteur prüft, besonders bei Karten, Diagrammen und Bildern mit Text.
Kann KI unsere alten PDFs barrierefrei machen?
Weitgehend. KI erkennt Struktur, legt Überschriften und Tabellen an und schreibt Alternativtexte. Dokumente mit komplexen Tabellen oder gescannten Unterschriften bleiben Handarbeit. Beginnen Sie bei den am häufigsten heruntergeladenen Dokumenten.
Muss unser Chatbot auch die BITV erfüllen?
Ja. Ein Chatfenster ist Teil der Website und fällt unter die Barrierefreiheitsvorschriften. Tastatur, Screenreader, Kontrast und ein alternativer Kanal sind die Anforderungen, an denen es meist scheitert.
Was ist mit Leichter Sprache?
Die BITV verlangt für Bundesbehörden Erläuterungen in Leichter Sprache auf der Startseite. KI kann Entwürfe liefern, aber Leichte Sprache wird mit Menschen aus der Zielgruppe geprüft; das ersetzt kein Modell.
Quellen
- Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0)
- W3C — Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.1
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Regeln und Leitlinien ändern sich; prüfen Sie im Zweifel die genannten Quellen oder fragen Sie Ihre Rechtsabteilung oder Ihren Datenschutzbeauftragten.